Ich habe kürzlich ein Gespräch geführt und jemand hat allen ernstes zu mir gesagt, sie wäre gerne wie ich…
Meine Gedanken zu diesem Thema möchte ich nun mit Euch teilen.
Ich war milde ausgedrückt völlig geschockt, dass es Menschen auf der Welt geben kann, deren Vorbild ich bin. Ausgerechnet ich soll Vorbild sein? Wie oft wünsche ich mir anders zu sein, oder wie jemand anderer zu sein!
Wie kann es dazu kommen, dass sich Leute wünschten, sie wären wie ich?
Und wirkt es vielleicht auf andere so schockierend, wenn ich sage, ich wünschte, ich sei wie sie? Vor allem bin ich bei meinen Gedanken zu dem Thema auf die Frage gestoßen, wie ich denn eigentlich bin, dass andere das nachahmenswert finden und wie andere auf mich wirken, dass ich gerne wäre, wie sie.
Wie kommt es überhaupt, dass man mit dem eigenen Sein oft so unzufrieden ist, dass man sich selbst so wie man ist, nicht möchte und sich wünscht, wie jemand anderer zu sein?
Ich glaube, bei dieser Fragestellung, bei diesem Gedankengang finden wir bei näherer Betrachtung mehrere Ansätze. Zum einen sind wir Menschen so beschaffen, dass wir stets versuchen, uns zu verbessern und an die gegebenen Umstände anzupassen. Dies Programm ist an sich rein irdischer Natur, als wir unsere Körper schufen, mussten diese sich an Klimazonen und äußere Begebenheiten anpassen, um zu überleben.
Inzwischen ist es dem Menschen gelungen, das Wetter zu überlisten, indem er viel geschaffen hat, was das Wetter weit entfernt hält. Nicht nur Schirme und Behausung gegen Regen und Wind, sondern inzwischen auch Klimaanlagen, Kühlschränke, Heizungen, die auf Knopfdruck funktionieren. Dem Menschen kann heutzutage fast egal sein, welches Wetter draußen ist, wir hier in Deutschland sind in der Lage, zu Weihnachten Erdbeeren zu kaufen und im Hochsommer Orangen und Mandarinen.
Wenn es draußen Minus 15 Grad sind, ist es zwar bitterkalt, aber nicht bei uns, die Gasetagenheizung hält das das ganze Jahr über die Wohnung auf angenehmen 20 Grad und der Kaufladen an der Ecke, der Dönerimbiss, die Pizzeria oder ein Lieferservice versorgt uns ganzjährig auch Sonntags mit irgendwas zu essen, falls wir nicht selbst einkaufen und kochen wollen.
Es war also früher wichtig, so zu sein, wie jemand, der diesem Planeten angepasst war, der gegen bestimmte Bakterien immun war, der mit Hitze und Kälte umgehen konnte, der das essen konnte, was hier gerade wuchs. Dies Programm hatte damals auch noch den Nutzen, voneinander zu lernen. Die einen hatten bereits Feuer und konnten es beherrschen, die anderen mussten auf den nächsten Blitzeinschlag warten, bis es wieder hell und warm wurde.
Es mussten nicht alle sterben, wenn ein Pilz giftig war oder dergleichen, man konnte voneinander lernen. Beim einen wuchs viel auf dem Feld, beim anderen nicht – man konnte sich ansehen, was der andere tat und es ihm gleichtun. Der Nächste wurde zum Vorbild. Dies Programm ist unbewusst in uns immer noch aktiv. Natürlich sahen wir früher auch auf jene, die einen Körper hatten, der stark war und alt werden konnte. Heutzutage haben wir all diese ursprünglichen Situationen nicht mehr.
Aber bereits damals, als es noch ums unmittelbare Überleben ging, gab es Menschen, die sich zum Herrscher über andere machten und auch jene wurden zum “Vorbild”. Es gab Herrscher, die das Volk einsetzte, weil das Volk jemanden bestimmte, dem es vertraute, aber es gab auch Herrscher, die das Volk unterdrückten, die sich selbst als Herrscher einsetzten. Es gab Herrscher, die sich nach oben gearbeitet hatten und auch Herrscher, die aus der “Sklaven-Position” den eigentlichen Herrscher umbrachten und sich selbst an seine Stelle setzten. Wie sie auch zum Oberhaupt wurden, nicht viele wurden der Verantwortung für ihre Familien, ihre Dörfer, ihr Volk gerecht.
Mal abgesehen, dass sich dieser Aspekt bis heute nicht geändert hat, wurden und werden auch diese Menschen zum Vorbild. Man möchte so reich sein, wie der-und-der, so angesehen sein wie XY und so viel Macht haben wie das gewählte Vorbild. Doch worauf beruhen diese Wünsche?
Zum einen auf Angst, wie so vieles, mit dem wir uns heute beschäftigen wollen, dürfen und müssen, um hier mehr Licht in die Dunkelheit zu bringen. Man fühlt sich vielleicht machtlos, ohnmächtig den Gegebenheiten gegenüber, man hat noch nicht verstanden, wo der Zusammenhang zwischen dem äußeren Erleben des eigenen Lebens und den Entscheidungen und Gedanken, die man trifft und denkt liegt.
Erlebt man die Gegebenheiten als negativ, schwer und dunkel, so wird sich sehr bald die Angst einstellen und schon wünscht man sich zu sein, wie derjenige, der in den eigenen Augen gerade die Macht hat und damit umgehen kann, die man sich selbst eigentlich wünscht.
Viele Menschen wünschen sich so zu sein, wie ein Fernsehstar, in den sie sich verliebt haben, die Person sieht gut aus, hat Geld und in den eigenen Augen sieht es so aus, als würden die Menschen, die diesem Star zujubeln, diesen Star auch lieben. Sie wünschen sich also “zu sein wie er”, der eigentliche Wunsch dahinter ist aber Anerkennung der eigenen Leistung, Anerkennung des eigenen Lebens und den Beweis der Liebe der anderen, denn die kann man oft nicht glauben, wenn man sie nicht auch sieht.
Man wünscht sich, zu sein, wie der Nachbar, der immer freundlich lächelt und bei dem man nie einen Streit mitbekommt, Jugendliche wünschen sich nicht zu sein, wie der Klassenbeste, sondern zu sein wie derjenige, der am besten angesehen ist, der auf jede Party eingeladen wird, der beliebt ist.
Mit diesen Wünschen geht auch Diskriminierung und Mobbing einher. Es gibt Menschen, die man nicht mag, aber deswegen geht man nicht hin, und macht diese Menschen fertig. Aber man geht hin und macht sie fertig, wenn sich innerlich ein Hassgefühl einstellt und das kommt nur, wenn man der Person irgendetwas neidet, auch wenn man das nie zugeben würde. Neid und Missgunst gehen Hand in Hand mit dem eigenen Gefühl, der Minderwertigkeit. Manchmal drückt sich dies Gefühl darin aus, dass man sich ungerecht behandelt fühlt.
Die Spirale dreht sich dann wie von selbst zum Hass hin, für den man, wenn man ihn nicht erkennt und nicht auflöst, Gründe und Rechtfertigungen findet, um ihm freien Lauf zu lassen. Die Frage, die sich immer wieder stellt ist die, was man tun, kaufen, anziehen oder essen kann, um sich besser zu fühlen.
Bleibt dies Gefühl unterdrückt, wird es einem also nicht bewusst, warum man Dinge tut, kauft, anzieht, ißt oder dergleichen, entwickelt sich ein starker Egoismus, dem man folgen muss, wenn man sich gut fühlen will. Ist man dann diesem Egoismus gefolgt, ist es schwer, die Spirale wieder zurück zu drehen.
Doch das, was dahinter steht, um sich besser zu fühlen, ist keine Sucht wie einkaufen, rauchen, trinken oder essen, Sex oder Drogen. Das, was hinter diesem Drang steht, das zu nehmen, das zu tun, das, was hinter der Sucht steht ist nicht Dummheit oder Egoismus, sondern das Gefühl, ganz alleine zu sein, ungeliebt und nicht gebraucht oder gewollt. Zum Beispiel “fühlt man sich besser, wenn man eine raucht”.
Aber das, was man tatsächlich fühlt ist ein brennen im Rachen und in der Lunge, ein bitterer Geschmack auf der Zunge, Venen ziehen sich zusammen, der Herzschlag verändert sich, der Blutdruck verändert sich. Das fühlt der Körper eigentlich – doch die angegriffene Seele fühlt etwas anderes, nämlich Geborgenheit und Zufriedenheit. Das gilt auch für die anderen Süchte. Beim Kaufrausch ist es ganz genauso. Man fühlt sich besser, wenn man Dinge kauft, um des Kaufes willen, man fühlt sich reich, mit den neuen Kleidungsstücken schön, begehrenswert und sehr wertvoll, je teurer, desto wertvoller. Wir wollen uns also besser fühlen, als wir uns fühlen, wir wollen sein wie andere, weil der andere gerade in dem Moment des Wunsches dem eigenen Idealbild am nächsten kommt.
Der andere ist innerlich ruhig, freundlich, witzig, liebevoll, charmant– alles Eigenschaften, die man gerne hätte, aber man glaubt diese nicht zu haben. Der Wunsch zu sein wie jemand anderer ist der Wunsch, nicht so schlecht zu sein, wie man über sich selbst geurteilt hat. Zu diesem Urteil kommt man, wenn man von den wichtigsten Menschen, den eigenen Eltern und dem eigenen Partner, nicht die Anerkennung und Liebe bekommen hat oder bekommt, nach der man sich sehnt. Es ist möglich, das eigene Selbstwertgefühl aus sich selbst heraus und unabhängig von diesen Menschen aufzubauen, auch ist es möglich, dabei nicht das Ego aufzublähen.
Doch dieser Weg ist schmerzhaft, er beginnt mit der Erkenntnis und der Einsicht, dass man selbst genauso richtig ist, wie man ist, auch wenn die eigenen Eltern einen nicht anerkennen oder nicht in dem Maße schätzen, nachdem man sich so sehnt.
Es ist für uns wichtig, unsere Göttlichkeit zu erkennen und anzuerkennen. Doch woher dies Gefühl nehmen und nicht stehlen? Ich glaube, der Weg führt über die Vergebung und Gnade. Vergebung unseren Herkunftsfamilien und Partnern gegenüber, die oft unser Licht nicht erkennen und manchmal nur schwer oder gar nicht ertragen und Gnade mit uns selbst, wenn wir wieder einmal vergessen, wer wir wirklich sind. Die meisten von uns haben bereits einen langen und manchmal sehr beschwerlichen Weg hinter uns, wir haben Demütigungen und Schmerz ertragen, manchmal Spott und Schläge, manchmal Einsamkeit und Ausgrenzung. Und manchen von uns geht es so, dass wir wünschten, wir wären wie Menschen, einfache Menschen, ohne weitere Fähigkeiten, ohne Verantwortung, einfach ein schöner Beruf, ein netter Mann/eine nette Frau, Kaffekranz bei den Eltern drei, vier mal im Jahr und Weihnachten mit der ganzen Familie. Manche von uns stellen sich das sehr schön vor.
Aber machen wir uns eins klar: Wir können so nicht leben, weil wir so nicht leben wollen.
Wir haben uns auf den Weg gemacht, Gott zu finden, bedingungslos zu lieben, Barmherzigkeit, Gnade, Güte und Liebe auf der Erde im irdischen zu manifestieren, göttliche Fülle und wahren Reichtum zu erkennen und zu erleben. Sicherlich wäre es manchmal einfacher, und wie eingangs erwähnt wünschte ich mir manchmal auch zu sein, wie Lieschen Müller von nebenan – ein netter Job, eine hübsche Figur, hin und wieder mal ein Freund, eine Mutter, die sie zwar nervt, die aber immer noch bei ihr aufräumt… Aber diese Sehnsucht danach “normal” zu sein, ein ganz normaler Mensch zu sein, tritt auf, wenn dahinter die Emotionen Minderwertigkeit oder das Gefühl der Überforderung stehen, wenn man das Gefühl hat, der Aufgabe nicht zu genügen, sie nicht zu schaffen, nicht der/die richtige zu sein, für was auch immer.
Ich möchte an dieser Stelle allen, denen es so oder ähnlich geht oder ging, Mut zusprechen. Jede Aufgabe, vor der wir stehen, ist zu schaffen. Schaffen wir sie nicht, ist das nicht weiter schlimm. Beim “Mensch ärgere Dich nicht” ist es auch nicht schlimm, wenn man mal rausfliegt. Am Schluss kommen alle ins Ziel.
Beleuchtet Euch und Eure Wünsche zu sein, wie…. und dann habt Gnade mit Euch, wenn Ihr erkennt, wieso Ihr so sein wollt. Und vor allem: Wollt nicht so sein, wie ich:-) Ich durchleuchte mich dauernd, ich bin oft meine schärfste Kritikerin und wenn Gott nicht hin und wieder mal sagen würde, dass es jetzt mal gut ist mit Selbstzweifeln, dann hätte ich wahrscheinlich schon vor Jahren alles hingeschmissen und so getan, als sei ich ein ganz normaler Mensch.
In Liebe, Lichtwege – Anke