Die Suche der Sucht
April 23, 2008 von lichtwege
Was bedeutet Sucht?
Sucht ist eine schwere Form des Mangels. Der Mensch, der süchtig ist, leidet Mangel.
Oft ist dem Menschen das nicht bewusst, viele würden das auf den ersten Blick sogar völlig verneinen. Schließlich “leistet” man sich die Zigarette vor, nach, während eines guten Essens, oder nach Sex, beim warten auf den Bus, die U-Bahn, auf ein Ergebnis beim Arzt, man raucht vor und nach Prüfungen, abends vor dem Fernseher, in der Arbeitspause, beim Kaffee, in allen Situationen, die psychisch belastend sind und in allen Situationen, die belastend werden könnten, sowie immer wenn man besonders stolz auf sich ist, große Angst hat, sich schwer geärgert hat oder auch sich sehr freut.
All diese Situationen sind sehr alltäglich, so sehr, dass sie kaum auffallen und daher bemerkt man sie kaum als etwas, das einem schadet. Viele Raucher erzählen jahrelang die Jammertraurige Geschichte von den Zig-tausend Mal, die sie sich das Rauchen schon abgewöhnen wollten und dann ging es halt doch nicht. Aber “süchtig”, nein, das ist zuviel gesagt, das ist man nicht. Man fühlt sich gesund und der Körper macht das auch eine geraume Zeit lang mit. Das gleiche gilt für Alkohol, man “belohnt” sich mit einem Cognac, Wein, Bier in allen oben genannten Situationen, aber auch hier hat man nicht das Gefühl, “süchtig” zu sein, vor allem hat man nicht das Gefühl, sich zu schaden.
Viele stellen sich unter Süchtigen Menschen vor, die sich prostitueren, um an Heroin zu kommen. Das ist leider auch ein Aspekt der Sucht, aber bei weitem nicht der Einzige.
Ich selbst habe viele Jahre lang geraucht. Um genau zu sein, habe ich an meinem 18. Geburtstag damit angefangen, um von meinen damaligen Ausbildungskameraden als “erwachsen” anerkannt zu sein. Ich habe mit 33 Jahren wieder aufgehört, von einem Tag zum Nächsten habe ich mir keine mehr angezündet und seitdem habe ich nie mehr geraucht.
Wie kam das? Ich hatte vorher auch erfolglose Versuche hinter mir, Zigaretten weg zu lassen und jedesmal, wenn ich es nicht geschafft hatte, hat mich das animiert, darüber noch intensiver nachzudenken.
Was gibt einem die Sucht? Es ist ja nicht so, dass sie einen gefangen nimmt, nur weil zufällig grade eine Zigarette oder eine Flasche Wein im Raum war. Sucht ist etwas, das ein Bedürfnis befriedigt, sie erzeugt ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Deshalb ist sie so gefährlich, man fühlt sich ja “gut”, wenn man ihr nachgibt, und fühlt sich schlecht, wenn man sich von ihr befreien will.
Ich gehe hier verstärkt auf das Rauchen ein, meine Worte gelten aber aus spiritueller Sicht auch für alle anderen Süchte wir Alkoholsucht, Sexsucht, Esssucht, Magersucht, Kleptomanie, Drogen und was es sonst so als Süchte gibt.
Grundsätzlich kann ich über die Sucht sagen, dass sie eine Funktion erfüllt und so lange diese Ursache nicht beseitigt ist, so lange sie also diese bestimmte Funktion erfüllt, ist sehr schwer von Süchten aller Art weg zu kommen.
Was ist das nun für eine Funktion? Wie ich oben bereits schrieb, erweckt das Befriedigen der Sucht ein Gefühl der Geborgenheit, der Sicherheit, der Angstfreiheit - hat also Sucht etwas mit Angst zu tun? Ich kann diese Frage mit einem klaren “ja” beantworten. Nun wird sich jeder Süchtige vermutlich dagegen wehren. Kein Raucher würde auf Anhieb sagen: “Ja, ich habe Angst, ich fühle mich einsam, ungeliebt und verlassen und möchte die Leere in meinem Leben durch die Sucht ausfüllen”. Ganz ehrlich - ich habe das damals auch nicht gesagt. Ich hätte sogar gelacht, wenn mir das jemand gesagt hätte. Hier aber geht es nicht um Hohn und Spott, hier geht es darum, Suchtmuster zu erkennen.
Jede Sucht, ausnahmslos jede Sucht ist ein Gefühl des “ICH WILL HABEN”. Dies Gefühl entsteht nur aus dem Gefühl, etwas nicht zu haben. Man hält sich an der Sucht fest, sie erhält einen aufrecht, die Sucht schenkt einem das Gefühl, mit schwierigen Situationen fertig zu werden. Wie Ängste erfüllt die Sucht einen Zweck. Während Ängste - wie bereits an anderer Stelle besprochen - die Funktion des Schutzes erfüllen, erfüllen Süchte die Funktion des “zu Hause”. Man fühlt sich geborgen, wenn man ihr nachgibt, man fühlt sich sicher und in vielen Fällen fühlt man sich gut, weil die Sucht Geld kostet - man fühlt sich dekadent. Dies Gefühl vermittelt die Sicherheit, genug Geld zu haben, “reich” zu sein.
Allmählich werden die Suchtmuster klarer - Süchte befriedigen existenzielle Ängste. Die Ängste gehen um Geld, Freunde, Familie. Die Angst vor dem Tod wird ganz klar ausgeschaltet, auch Ängste vor Krankheit oder psychischen Schäden unterliegen der Existenzangst. Diese Angst ist die größte Angst, die ein Mensch entwickeln kann, größer als die Angst vor Spinnen, dem Fliegen, der Höhe oder irgendetwas ähnlichem. Der Mensch will leben - um jeden Preis. Der Mensch will in Sicherheit geborgen leben. Ist dies Urvertrauen in das Leben an sich, in Gott, in die eigene Existenz erschüttert, ist der Weg frei für jede Sucht.
Diese Erkenntnis funtioniert als “Einbahnstraße”. Jeder, der süchtig ist, hat irgendwelche dieser Ängste. Aber nicht jeder mit diesen Ängsten ist süchtig.
Was fängt man nun mit dieser Erkenntnis an? Zunächst einmal ist es wichtig, die Erkenntnis an sich einmal gehört zu haben. Man muss sich weder sofort mit ihr identifizieren, noch man ihr zustimmen. Es reicht, es einmal zu lesen und darüber nachzudenken. Erkennt man, dass diese Worte hier nichts mit einem Selbst zu tun haben ist das auch wunderbar. Denn dann ist der Weg geebnet zu erkennen, was man denn selbst hat, das einen sich selbst zerstören lässt. Erkennt man, was diese Worte hier mit einem selbst zu tun haben ist das ebenso wunderbar, denn dann hat man den ersten Schritt aus dem Muster heraus getan.
Das Muster ist simpel: Irgendeine existenzielle Angst herrscht vor. Diese Angst ist selbstzerstörerisch. Man fängt an, ihr zu dienen, man bedient die Angst, in dem man sich selbst zerstört und ihr damit nachgibt. Diese Bestätigung der Angst wird damit belohnt, daß man die Angst nicht mehr spürt.
Also, meine Lieben Lichtarbeiter, raus aus der Angst! Rein in die Liebe! Wir sind immer sicher und geliebt und geborgen. Wir können nichts tun, sagen oder sein, daß wir nicht mehr geliebt würden. Wir sind zu Hause, wir haben den Himmel und Gott nie verlassen. Erkennt das und vergebt Euch selbst die Angst.
In Liebe, Eure Anke
http://lichtwege.wordpress.com
Auch ich habe mit Süchten zu kämpfen bzw. schon zu kämpfen gehabt. Ich sehe auch die Angst als treibende “Kraft” hinter jeder Sucht. Angst, nicht genug zu bekommen von dem, was man sich wünscht. Meine grösste Sucht ist ein gestörtes Verhältniss zum Essen. Ich bin sehr dick. Was mich aber fast mehr stört, als das Körpergewicht, ist die Tatsache, dass ich keinen Frieden damit geschlossen habe. Könnt ich mich akzeptieren, so wie ich bin, dann hätt ich Frieden. Dann wäre auch der Weg frei für eine allfällige Veränderung.
Ich denke manchmal: Vielleicht “muss” ich so sein, so dick. Ich weiss schon, dass ich das nicht wirklich muss, aber vielleicht ist ein Sinn dahinter?!?
Liebe Grüsse
Barbara