Was ist Demut?
Mai 13, 2008 von lichtwege
Mit dieser Frage beschäftige ich mich schon sehr, sehr lange. Ich kenne das Gefühl sehr gut, sich unterzuordnen, sich selbst zurück zu nehmen, hinten anzustellen, anderen zu dienen - und das aus freiem Willen.
Ich kenne das Pendant zu diesem Gefühl auch. Sich selbst sehr ernst, wichtig und erhaben zu fühlen, sich nach oben zu stellen, nach Vorne, in die erste Reihe zu begeben und milde Lächelnd seiner Umgebung zu zeigen, dass man über den Dingen steht ist ein gutes Gefühl.
Doch beides ist ein falsch verstandenes Gefühl, das einen göttlichen Ursprung hat. Hier will ich dem näher auf den Grund gehen.
Ist es demütig, sich vor Menschen zu knien, zu beugen, zu gehorchen, sich zu unterwerfen, ihnen zu dienen? Oder ist es hochmütig, das nicht zu tun? Sollten wir als Kinder Gottes, als Lichtarbeiter der geistigen Welt nicht viel eher einen gewissen Respekt erwarten?
Nein, das sollten wir nicht…. Ich habe mir das Wirken von Jesus einmal genauer betrachtet. Wir wissen von Jesus, das er sein Leben in den Dienst Gottes stellte, er diente der Menschheit mit seinen Lehren von der Liebe, der Nächstenliebe und der Selbstliebe. Hat er sich jemals irgendwohin gestellt und auf sein “Recht als Sohn Gottes” gepocht? Immerhin, der Sohn Gottes hätte sich feiern lassen können wie einen König und er hätte auch nicht ans Kreuz gemusst, wenn er mit seiner Macht anders umgegangen wäre.
Inwiefern unterwarf sich Jesus dem Willen Gottes? Er “unterwarf” sich, in dem er dem Willen des Vaters folgte, indem der Wille des Vaters zu seinem eigenen Willen wurde. Er diente Gott, indem er den Menschen diente und er diente den Menschen, indem er ihnen von Gott und seiner Liebe erzählte und ihnen vergab.
Begab sich Jesus in den Status dessen, der bedient werden wollte oder dem man Folge zu leisten hatte? Nicht ein einziges Mal ist es so gewesen, daß Jesus andere gewzungen hätte, ihm zu folgen oder zu gehorchen. Dabei wäre es doch ein Leichtes für ihn gewesen.
Nun kommen wir einmal zu uns: Wie kommt es, dass manche von uns ständig das Gefühl haben, dienen zu wollen, sich unterwerfen und gehorchen möchten, während andere konsequent ihre Weltanschauung verbreiten und innerlich bereits eine neue Staatsform gegründet haben? Wie kommt es zu Stande, dass manche von uns sehr dominant sind und andere sehr demütig und beide Gruppen diese Gefühle Menschen gegenüber ausleben?
Das ist einfach zu fühlen, aber weniger einfach zu erklären, noch weniger einfach zu verstehen, wenn man selbst drin steckt.
Wir alle fühlen, dass wir etwas besonderes sind und sind unser Leben lang - manchmal viele Inkarnationen lang - gelehrt worden, dass an uns nichts besonderes sei. Wir wurden gelehrt, dass wir Mittelmas seien, bestenfalls Menschen, die versuchen, “die Gebote Gottes zu halten”, aber Lichtarbeiter oder gar inkarnierte Engel? Nein, das hat man uns nicht gelehrt. Man hat uns beigebracht, dass wir von Geburt an sündig seien, weil wir die Erbsünde mit herum schleppen und im Grunde nur auf die Gnade Gottes hoffen können, aber keinesfalls auf einen ernst zu nehmenden Freispruch unserer Schuld.
Wir alle fühlen und wissen im Grunde unserer Herzen, dass wir geliebt sind und schön, frei von Schuld und frei von Angst - da wir diese Gefühle aber trotzdem spüren, macht es viele von uns mürrisch und pessimistisch. Wir wurden gelehrt, nicht mehr auf unsere Gefühle zu hören, sondern auf unseren Verstand und der kann ziemlich dominant sein, wenn es darum geht, uns unsere Unzulänglichkeiten vorzuhalten.
Wir haben zwei Möglichkeiten in unserem Leben - wir können unserer Angst dienen oder Gott dienen.
Dienen wir unserer Angst, so bestätigen wir jeden Tag aufs Neue, unzulänglich zu sein, nicht gut genug und mit Scham und Schuld behaftet. Das macht uns ängstlich und je tiefer diese Angst geht, desto pessimistischer werden wir. Diese Angst, ist die Angst, das Paradies erneut zu verlieren, nie wieder nach Hause zurück zu dürfen. Es ist die Angst, Verstoßen zu sein. Da wir mit dieser Angst partout nicht leben können, ohne physisch krank zu werden oder depressiv haben wir Schutzfunktionen entwickelt. Wir erleben also das Gefühl, etwas besonderes zu sein und setzen es um, indem wir unseren Mitmenschen zeigen, wie besonders wir denn nun sind. Meist geschieht das nicht aufgrund von echten, eigenen Fähigkeiten, sondern in dem man seinem Gegenüber genau sagt, wie Unzulänglich es ist. Man zeigt dem anderen die eigene Macht am besten, in dem man ihn entmachtet, ihm zeigt, wie wenig EInfluss die Person hat, im Gegensatz zu seinem Selbst.
Die duale Auslegung dieser Emotion ist das Eingeständnis und die feste Überzeugung eben nicht gut genug zu sein, es ist das Hinnehmen der Macht des anderen. Man gibt nicht nur die eigene Macht über sich selbst freiwillig aus den Händen, man tut etwas anderes. Man gibt dem anderen die Verantwortung, in der Hoffnung er würde es schon gut machen und wenn nicht, so sei man zwar unzulänglich, aber wenigstens frei von Schuld.
Beide Emotionen aber entspringen dem eigentlichen, göttlichen Gefühl. Wir alle eifern den aufgestiegenen Meistern darin nach, dass wir angefangen haben, unseren Weg zu Gott zu finden. Auf diesem Weg begegnen wir Menschen, die ihn noch nicht gehen und Menschen, die ihn weiter gegangen sind, als wir selbst. Aber alle sind unterwegs.
Die Macht über sich selbst erlangen wir nun, in dem wir uns bewusst machen, dass wir selbst für unser denken, sprechen und tun verantwortlich sind. Wenn wir diese Verantwortung übernehmen, dann machen wir Gott das Geschenk unserer Hingabe an ihn, weil wir ihm zeigen, dass wir für sein Geschenk des Lebens und unseres freien Willens dankbar sind. Die Hingabe geschieht in dem Moment, in dem wir bewusst beschliessen, unseren freien Willen nicht zum unterdrücken anderer zu nutzen, sondern freiwillig unsere Lebensaufgabe annehmen und den Weg der Liebe wählen.
Schöne Worte, doch was ist der Weg der Liebe? Es ist der Weg, sich selbst zu lieben, wie man ist und andere sein zu lassen, wie sie sind und das göttliche Ziel vor Augen zu haben - das Licht in die Welt zu bringen. Das geht nicht immer leicht, manchmal weint man, manchmal streitet man sich, manchmal gewinnt man, manchmal nicht und manchmal schmeisst man vor Wut eine Vase kaputt - aber man zerschmettert sie nicht vor Wut auf dem Kopf des anderen, oder setzt sich prügelnd und schreiend über den freien Willen des anderen hinweg. Man nimmt Abstand davon, auf seine Rechte zu pochen - der andere hat genauso viele Rechte wie man selbst, auch wenn es dem Bruder noch nicht bewusst ist.
Demut ist, sich in den Fluß des Lebens zu werfen und sich dem Fluß des Lebens gewissermassen zu unterwerfen. Manche Dinge brauchen Zeit, manche lösen sich von selbst und manche gehen, wenn man es verstanden hat, warum sie da waren.
Falsch verstandene Demut ist sich dem Willen eines anderen Menschen zu beugen, in der Hoffnung, dass er einem sagen könne, was zu tun sei. Falsch verstandene Demut ist es, statisch zu sein, völlig passiv, nichts mehr zu denken, zu sagen oder zu tun und jegliches Handeln an einen anderen zu geben.
Dominanz ist das Yang-Pendant zu Demut. Dominanz ist sich seiner eigenen Macht bewusst zu sein und diese Macht zu beherrschen. Dominanz ist nicht, sich von anderen das eigene angeknackste Selbstwertgefühl aufzupolieren lassen.
Dominanz ist Gnade, Demut ist Vergebung und beides zusammen ist die Barmherzigkeit Gottes.
In Liebe, Anke
http://lichtwege.wordpress.com
Liebste Anke,
ich finde deine Ausführungen wunderbar. :-)))!!!
Ich habe, bei der Beschäftigung mit den Worten - zu Demut folgendes gefunden und hoffe sehr, dass es für Dich in Ordnung ist, wenn ich diese hier auch mitteile!!
In unserer Welt der Polarität gibt es bezüglich “Mut” die beiden Pole Hochmut und Armut.
Es gibt auch das Sprichwort - “Hochmut kommt vor dem Fall” - in die Armut. Das alles dient unserem Lernen und wachsen.
Demut wird als ein Zustand der Mitte verstanden und darum mit der göttlichen Liebe in Verbindung gebracht. Da Gott weiß, dass er alles ist, braucht er keinen Mut.
Folglich ist Demut zugleich die Abwesenheit von Mut.
Dies zu erkennen fällt noch leichter, wenn man sich ähnliche Worte - beginnend mit “de” betrachtet wie z.B. degradiert, desillusioniert oder auch desorientiert. Die Bedeutung ist immer, dass der zweite Wortteil nicht oder nicht mehr vorhanden ist.
Nach unserem Inneren zu leben und uns nicht dem verführerischen Äußeren unterstellen ist dabei das wesentliche.
DANKE liebe Anke und Grüße aus meinem Herzen an Dich!!!
Ramona Anna Yena
Vielen Dank für diesen wundervollen Kommentar!
Es ist wahr, wir müssen nicht Mut haben, um vor Gott zu stehen und mit ihm zu sprechen.
Wir dürfen frei von Mut sein - einfach sein, wie wir sind vor Gott.
Danke für Deine wundervollen Ausführungen!
In Liebe, Anke