In jedem guten spirituellen Buch steht, dass man Dankbar sein soll für herausfordernde Erfahrungen.
Nach Möglichkeit soll man Dankbarkeit entwickeln für Krankheit, Schmerz, schlechte Beziehungen, Menschen die uns mit Streit fordern und und und…
Doch fragt man sich nicht manchmal, wieso man ausgerechnet für diese Dinge, die der Verstand als eindeutig „negativ“ kennzeichnet, Dankbarkeit entwickeln soll?
Sicher, dem Verstand ist schon klar, was es einem nutzt, wenn man sagt: „Ich bin ja so Dankbar für die Beziehung xyz, obwohl mein Partner mich betrogen, belogen oder geschlagen hat, denn ich habe ja so viel gelernt…“
Oder zu sagen: „Gut, dass ich krank geworden bin, sonst hätte ich xyz nicht gelernt“
Aber das zu sagen und das zu fühlen sind doch oft sehr unterschiedliche Dinge.
Ich habe manchmal den Eindruck, dass Dank gelegentlich ein Mittel zum Zweck ist. Es wird gelesen, gepredigt und sogar verstanden, dass Dank wichtig ist, auch und gerade für dunkle Stunden….
Aber verstanden wieso das wichtig ist, wird oft nicht.
Die Antwort ist sehr simpel.
Der Verstand kann nur Dinge in Kathegorien einordnen. Hat man eine Erfahrung gemacht, die den physischen Körper schwächt, fällt das unter die Kathegorie: „negativ – soll nicht wiederholt werden“
Hat man eine Erfahrung gemacht, die uns stärkt, wird sie im Ordner „positiv – wiederholen“ abgelegt.
Der Verstand findet es also unlogisch, wenn wir ihm mit spirituellen Erkenntnissen kommen und sagen: „Ich bin dankbar für die Krankheit oder Dankbar für den Streit, oder Dankbar für einen Schmerz“. Der Verstand kann das nicht verstehen.
Deshalb baut er sofort wundervolle Brücken, damit er das ablegen kann.
„Ich bin dankbar für die gescheiterte Ehe, weil ich nun nicht mehr arbeiten muss, denn ich bekomme ja Alimente“
Das ist etwas, das der Verstand versteht, noch besser, wenn ihm die Arbeit kein Vergnügen bereitet hat.
Oder: „Ich bin dankbar für die Krankheit, denn nun muss ich mich nicht mit dem Thema XY auseinander setzen, denn ich kann ja nicht – sollen das andere machen.“
So etwas versteht der Verstand. Aber das ist keine Dankbarkeit.
Wie viele von Euch wissen, wenn Ihr diese Seite in den letzten Monaten etwas verfolgt habt, ist mein physischer Körper schwer erkrankt und ich wäre fast gestorben.
Ich hatte eine schwere Lungenembolie. (Mehr in anderen Artikeln aus den letzten 6 Monaten)
Ich habe während dieser Krankheitsphase viele verschiedene spirituelle Phasen durchlaufen, unter anderem auch tiefe Angst und Depression, aber auch Dankbarkeit.
Es gab eine Phase, in der ich mich bereits in der Reha befand, da telefonierte meine Freundin oft mit mir und machte mich darauf Aufmerksam, wieviele Gründe es für Dank gäbe.
Erst einmal, dass ich noch am Leben war, dann die Tatsache, dass ich es bleiben würde, dann dass ich eines Tages wieder gesund sein würde und so weiter.
Ich habe das damals kaum aufnehmen können, denn ich steckte in der Phase: „Und wenn es noch einmal passiert? Und wieso ich? Wofür werde ich bestraft? Was hab ich falsch gemacht, so eine Krankheit bekommen zu können? Und was, wenn ich wieder zu Hause bin?—“
In dieser Phase ging gar nichts und auch meine Dankbarkeit hielt sich in Grenzen. Viel mehr habe ich gehadert, ich habe mit Gott geschimpft – ich habe gesagt, wie Gott sowas zulassen kann, wie ich so bestraft werden kann, womit ich das verdient habe.
Ich erinnere mich an einen Abend, an dem es in mir sehr hoch her ging.
Ich saß in meinem Zimmer auf dem Bett, hatte das Sauerstoffgerät an und war am weinen.
Und ich redete die ganze Zeit mit Gott. – Nun muss ich dazu sagen, dass ich in dieser Zeit damals keinen Kontakt zur geistigen Welt herstellen konnte. Ich konnte zwar reden und war mir bewusst, dass sie mich hören, ich aber habe niemanden gesehen und gehört von der geistigen Welt.
Das war mir etwas zuviel, ich fühlte mich also nicht nur krank, sondern auch alleine gelassen.
Jedenfalls steigerte ich mich etwas rein, ich wurde sogar laut und schimpfte. Und schließlich – das war ein ganz entscheidender Moment – griff ich neben mich, schnappte mir ein Kissen und schmiss das quer durchs Zimmer und sagte gleichzeitig : „Ich werde NICHT sterben! Wie kannst Du das zulassen?! ICH werde LEBEN!“
Nun, ich habe diese Aussage weniger gesagt, ich habe sie mehr lautstark herumgebrüllt und eben das Kissen geworfen.
Jetzt kommt es wahrscheinlich nicht allzuoft vor, dass jemand ein Kissen nach Gott schmeisst. Aber mir war damals danach, ich war verzweifelt und eben nicht dankbar.
Mit diesem geworfenen Kissen jedenfalls wurde ich von einer Sekunde zur nächsten ruhig. Mein Verstand meldete sofort Alarmbereitschaft, nach meinen irdischen Eltern hätte ich besser kein Kissen geschmissen und das hier war immerhin Gott.
Als ich darüber nachdachte, durchfuhr mich Freude. Ich war irgendwie stolz, dass ich das gemacht hatte – ich musste innerlich schmunzeln, dass ich das gewagt hatte. Denn soviel Frechheit das einerseits zeigt, soviel Vertrauen zeigt es ja auch auf der anderen Seite.
Und da war ich dankbar, weil ich spürte, dass mir niemand böse war, dass ich immer noch geliebt wurde, auch nach dem Kissenwurf und vor allem kam keine Strafe.
In den Wochen danach habe ich mehr und mehr Dankbarkeit entwickelt. Manchmal war sie verstandgesteuert. Manchmal kam sie aus vollem Herzen. Und weil ich diesen Unterschied so stark gespürt habe, kann ich ihn jetzt beschreiben.
Die verstandgesteuerte Dankbarkeit hat einen Grund. Die Dankbarkeit aus dem Herzen geht mit Freude und innerem Frieden einher und innerer Friede birgt Vertrauen und Zuversicht. Diese Gefühle sind bei der verstandgesteuerten Dankbarkeit nicht mit dabei.
Heute heile ich jeden Tag ein Stück mehr und ich bin so dankbar…. dafür, überhaupt am Leben zu sein, dafür, jeden Tag lachen zu können und es auch zu tun, dafür, keine Angst mehr zu haben, dafür, keine Depression mehr zu haben, dafür, nie mehr das Gefühl zu haben, einsam zu sein – obwohl ich die meiste Zeit des Tages allein verbringe.
Ich glaube, dass Dank sich entwickelt und dass man Dank nicht empfindet weil jemand sagt oder schreibt: Sei dankbar, sondern weil man sich ehrlich über das freut, das man bekommen hat.
Dazu ist wichtig, sich anzusehen, was man da bekommen hat.
Hat man eine schwierige Beziehung oder sich aus einer solchen gelöst, dann kann man durchaus Dank empfinden. Vielleicht dafür, dass man sich selbst treu geblieben ist, oder dafür, dass man stark geworden ist, oder keine Angst hat, oder auch dafür, dass man den anderen lieben und ihm vergeben kann….
Eine Freundin von mir ist vor wenigen Tagen an Krebs verstorben. Ihr Kampf mit dem Krebs dauerte zwei Jahre. Kurz vor ihrem Entkörpern habe ich sie noch einmal gesehen und mit ihr gelacht – und auch mit ihr geweint.
Sie sagte, dass sie durch die Krankheit erfahren hätte, wieviele Menschen sie lieben und das, sagte sie, sei ihr so wichtig und dafür sei sie so dankbar.
Sie gab aber auch zu, dass sie wütend auf die Krankheit war, wütend, gehen zu müssen und Kinder, Ehemann und Freunde zurück zu lassen, Sie gab sogar zu, dass sie eifersüchtig auf mich war, denn ich habe den Weg zurück ins Leben finden dürfen.
Und während dieses ganzen Gespräches dankten wir beide uns gegenseitig, dass wir da waren, ich ihr, dass sie ehrlich war und sie mir, dass ich diese Worte ertrug und wir beide dem Leben, dass wir uns noch einmal haben sehen dürfen.
Sie hat Frieden schließen können unter anderem weil ihr niemand böse war für die Emotionen, weil sie sie haben durfte, konnte sie sie überwinden.Fünf Tage danach ging sie.
Für Dank gibt es so viele Möglichkeiten. Ich habe hier diese Beispiele aufgeführt, weil ich verdeutlichen wollte, was an Dank dran hängt.
Es ist meiner Ansicht nach wichtig, Dank zu empfinden, aber es ist auch wichtig, alle anderen Gefühle und Emotionen zuzulassen und sich anzunehmen, auch wenn man mal nicht Dankbar ist, sondern ein Mensch.
In Liebe, Lichtwege – Anke
ich habe deine geschichte sehr gern gelesen. und ich freue mich mit dir, dass du in dieser schweren zeit zu dankbarkeit gefunden hast. und es hat einen beachtlichen charme, dieses hadern „kissen nach gott schmeissen“ zu nennen. möge dir weiterhin nur gutes daraus erwachsen
liebe grüsse, giannina
Liebe Anke,
ich sage Danke,für Deine Erkentnisse,sie haben mir sehr weiter geholfen.
Ich wünsche Dir an jedem Tag weitere Heilung,diese Seite hier ist für mich und meine Seelchen eine tiefe Bereicherung.
Mir geht es oft so, gerade die zufälligen Begegnungen mit Unbekannten bleiben mir im Gedächtnis.
Meist halten sie Überraschungen bereit, oft geben sie mir zu denken.
Neulich in einer Buchhandlung über das Land Brasilien, kam es wieder zu solch einer Begegnung.
Ich breite mich in Buchhandlungen doch immer aus, auf der Suche nach schönen Bibelversen und Kulturen.
So begann ich zu lesen.
Weit kam ich allerdings nicht, denn neben mir saß ein 10 jähriges Mädchen, und sie wollte nun allerlei wissen.
Was das für ein Buch sei, fragte sie mich .
Oh sagte ich, dies ist ein Gebetbuch und dies ist ein Buch über Brasilien, indem Kinder leben, die nachts auf alten Teppichen schlafen müssen.
Gebetbuch, oh sagte sie, das kenne ich auch, schön dachte ich, das Gebet war offenbar kein Fremdwort.
Sie nahm geschwind einen Atlas aus dem Regal,die Mutter guckte schon verlegen und fragte mich, ob wir uns einmal Länder anschauen.
So zogen die Finger des Mädchens über alle Länder und ich musste raten wo diese lagen, ein wunderbares Spiel.
Nun ja, sie hatte mich von Gebetsbüchern und Kulturbüchern abgehalten, aber was für ein sympathisches Mädchen, mit ihrer Neugier, ihrem Wissensdurst. dieser Unbefangenheit.
Man begegnet immer seltener solchen Menschen, die voller Fragen stecken.
Viele tun so, als wüssten sie schon alles.
Mich treibt auch immer wieder Neugier an, die Neugier auf Gott. Wir sind Suchende, ein Leben lang.
Überrascht Dich das? Denkst Du auch, wenigstens wir sollten doch alles wissen, als Erwachsene, wer und was Gott ist?
Nein, Gott bleibt das große Geheimnis. wir fragen, wir suchen.
Gott hat man nie in der Tasche. Sinnlos ist diese Suche trotzdem nicht.
Denn auf dem Weg zu Gott lernen wir, was es heißt zu lieben.
Die Schöpfung zu lieben. Das Leben zu lieben, Gott zu lieben!
Ich sende aus tiefstem Herzen Licht und Liebe
Christina mit Ihren Seelchen
Vielen Dank für diesen wundervollen Kommentar und für die kleine Geschichte, die er enthält.
Ich habe mich sehr gefreut.
Ja, ich heile. Es dauert seine Zeit, den Körper neu zu erschaffen, aber nichts anderes ist es und ich freue mich jeden Tag.
In Liebe, Lichtwege