Spiritualltag…
Mai 14, 2008 von lichtwege
Spiritualität und Alltag
Ich habe mit einer jungen Frau gesprochen, die mir sagte, dass sie durchaus gerne “spirituell” leben würde, der Alltag aber oft die Spiritualität überdeckt. Sie ging felsenfest davon aus, dass das bei mir anders sei - wie sie auf diese Idee kam, war mir unklar.
Nach diesem Gespräch habe ich plötzlich mehr Leute getroffen, die mir alle das Selbe sagten. Sie würden sich ja gerne etwas mehr um Gott kümmern, aber bei 42 Stunden Arbeit pro Woche, Haushalt, Kindern und vielleicht noch ein wenig Sport bleibt da nicht viel Zeit. Essen, schlafen und Freizeit wollen schließlich auch alle.
Ich habe intensiv darüber nachgedacht und dabei ist mir aufgefallen, dass alle, die mit mir sprachen, zwei Grundüberzeugungen haben.
Die Erste lautet, dass es zeitaufwendig sei und anstrengend, sich mit Gott und der geistigen Welt zu beschäftigen. Die Zweite ist, dass diejenigen, die mit mir gesprochen haben, den Eindruck gewonnen haben, dass ich 24 Stunden am Tag Gott channele und alles andere nebenbei erledige.
Wisst Ihr, liebe Brüder und Schwestern, ich bin hier auf der Erde auch als Mensch. Ich habe auch manchmal Angst, manchmal bin ich traurig und wenn ich wütend werde, dann geht schon mal aus Versehen etwas kaputt. Es gibt Tage, an denen ich mich verstecken möchte, am liebsten mit niemandem sprechen und sehen soll mich dann auch niemand - vor allem Gott nicht.
Es gibt Zeiten, in denen ich weniger Geld zur Verfügung habe, als sonst und manchmal sieht meine Wohnung aus wie früher mein Jugendzimmer.
Es gibt Zeiten, in denen ich mich einfach mal eben so verliebe - obwohl ich verheiratet bin. Dann habe ich allein wegen dieses Gefühls ein schlechtes Gewissen, ich frage mich dann, ob ich das fühlen darf, ich habe mich ja nicht so weit entwickelt, um mich dann aufzuführen, wie jemand, der nicht weiß, was er tut.
Mein Alltag besteht daraus, meine betagte Mutter zu pflegen, meinen Sohn zu versorgen, in seiner Schule ehrenamtlich mit den Kindern lesen zu üben, meinen Haushalt zu führen, meinen Mann zu unterstützen, einzukaufen, hin und wieder mal zum Sport zu gehen und abends ins Theater zu fahren, ich bin ursprünglich mal Schauspielerin geworden und in dem Beruf arbeite ich noch, weil ich den Beruf auch liebe und im Moment ist er noch meine Hauptverdienstquelle. Inzwischen berate ich, schreibe an dem Buch, von dem die geistige Welt meint, es müsse geschrieben werden, bastele an meinem Blog und in einigen Wochen wird es eine richtige Website geben.
Nun könnte man sich bei diesem Alltag fragen, wie ich mein Verhältnis mit Gott überhaupt so weit habe aufbauen können.
Wißt Ihr, Gott ist immer da. Er begleitet jeden Schritt, jeden Gedanken, jedes Wort, jede Tat. Sich Gott zu nahen ist also nicht so schwer.
Es ist auch nicht mit Anstrengung verbunden, sondern einfach mit dem Wunsch, sich ihm jetzt zu nahen. Dann bemerkt man Gott innerhalb einer Sekunde.
Wir haben alle Mechanismen entwickelt, um Gott zu verdrängen. Wir haben das vor Äonen Zeitaltern getan, um diese wunderbare Erfahrung machen zu können, Mensch zu sein. Wir wollten damals erleben wie es ist, ohne Gott zu leben und selbst Gott spielen. Das haben wir gemacht. Unsere Möglichkeiten sind unbegrenzt, wir können tun, was wir wollen und wir tun andere Dinge, wenn wir Gott verdrängen.
Gott verdrängen heißt auch die Liebe zu verdrängen, es bedeutet, dass man sich ganz alleine fühlt. Durch dieses Gefühl der völligen Verlassenheit und Einsamkeit entstanden früher neue Möglichkeiten, wir konnten egoistisch handeln und unsere jeweilige Erfahrung bis zum Ende durchleben. Es ist witzlos, etwas Egoistisches zu tun und sich gleichzeitig der bedingungslosen Liebe Gottes bewusst zu sein. Nein, es ist nicht witzlos, es ist ganz und gar nicht möglich. Aber wir wollten diese Erfahrung machen. Wir wollten ausprobieren, wie es ist SELBST verantwortlich zu handeln.
Inzwischen aber haben wir alle den Rückruf gehört. Die beste Erfahrung ist irgendwann vorbei und wir alle haben uns nun aufgemacht, den Weg nach Hause zu finden.
Es bedeutet, dass wir den Weg in die Liebe zurück finden, den Weg in unser eigenes Herz.
Doch wie finden wir diesen Weg, wenn wir nebenbei genauso weiter handeln, wie bisher?
Also, den Weg zu finden ist nicht von unseren Handlungen abhängig, sondern von unseren Gedanken und Gefühlen.
Das bedeutet, dass es nicht nötig ist, täglich stundenlang zu meditieren, Kerzen anzuzünden oder um Vergebung zu bitten.
Wir finden den Weg im Alltag, in dem wir die zwei wichtigsten Gebote halten. 1) Gott lieben, mit unserem ganzen Herzen, unserer Seele, unserem Sinn und 2) unsere Nächsten lieben, wie uns selbst.
In diesen beiden Geboten sind mehrere große Informationen enthalten.
Zum Einen fällt ein Dreiklang auf: Herz, Seele, Sinn. Dieser Dreiklang ist mir schon einmal aufgefallen : Vater, Sohn, heiliger Geist. und auch bei: Gedanke, Wort, Tat. Auch bei : Leben, Liebe, Licht ist dieser Dreiklang zu finden.
Gott zu lieben bedeutet also nicht krampfhaft zu versuchen, eine unsichtbare Vaterfigur lieb zu haben, sondern sich bewusst zu werden, wer und was Gott ist.
Die nächste große Information ist enthalten in dem Gebot, seinen Nächsten zu lieben WIE SICH SELBST. Um das zu können ist erst einmal wichtig, sich SELBST lieb zu haben.
Und jetzt stellt Euch bitte alle diese Frage. Habt Ihr Euch lieb?
Manche werden jetzt spontan einfach “ja” sagen, manche fangen vielleicht fast automatisch an, zu weinen.
In jedem Fall bitte ich Euch, liebe Brüder und Schwestern, dieser Frage einmal nachzugehen. Was tut Ihr für Euch aus Liebe? Verzeiht Ihr Euch Eure Unzulänglichkeiten? Geht Ihr mit Euch selbst ins Gericht, wenn irgendetwas nicht so geklappt hat, wie Ihr Euch das wünscht?
Was sagt Ihr innerlich zu Euch, wenn Ihr von irgendwoher eine Absage bekommt? Nehmt Ihr Euch innerlich selbst in den Arm und tröstet Euch? Oder reißt Ihr Euch zusammen, denkt Euch, dass Ihr mit einer weiteren Absage gerechnet habt und werdet traurig?
Wisst Ihr, sich selbst lieb zu haben bedeutet, nicht mit sich zu schimpfen und sich nicht selbst zu vergewaltigen. Es bedeutet “Nein” zu sagen, wenn Ihr etwas nicht wollt und “Ja” zu sagen, wenn Ihr etwas wollt. Es bedeutet, dass Ihr Euch im Spiegel ansehen könnt, ohne Euch selbst zu beschimpfen und ohne Euch zu sagen wie dick und dumm ihr ausseht.
Sich selbst zu lieben bedeutet sich selbst aufzufangen, wenn man mal wütend, traurig, einsam oder ängstlich ist - und das bedeutet, sich selbst zu verzeihen. Es sind leicht gesagte Worte:”Verzeih Dir selbst”, aber es ist nicht leicht, das umzusetzen, denn zum Verzeihen gehört das volle Verständnis der eigenen Handlung.
Angenommen, jemand ist wütend auf den Partner und schlüge vor Wut zu, dann wäre das für viele von uns ein sofortiger Trennungsgrund.
Aber nur einmal angenommen, beide würden sich hinterher zusammen setzen und der “Täter” würde ruhig erklären, wie es dazu kam, wie er sich gefühlt hat, wieviel Angst er in dem Moment hatte, wie sehr er sich in die Ecke gedrängt gefühlt hat und wie wenig er in dem Augenblick damit umgehen konnte und das “Opfer” würde ruhig erklären, wieso es die Dinge gesagt und getan hat, die vorher abliefen, wie viel Angst es hatte und jetzt hat und wie sehr es sich jetzt in die Ecke gedrängt fühlt, dann würde sehr schnell klar, dass erstens beide Opfer sind - nämlich Opfer ihrer jeweils eigenen Angst und das beide Täter sind - Täter genau dieser Angst, die sich zur Wut steigert.
Dann würde auch sehr schnell klar, dass sich beide gegenseitig die Angst zuschmeißen wollten, in dem beide jeweils mit anderen Aspekten von Gewalt, nämlich verbaler und physischer, versucht haben, Herr über die Angst zu werden.
Wäre eine solche Erklärung nicht ein Grund, sich selbst in den Arm zu nehmen und sich zu verzeihen, aus Angst reagiert zu haben? Und wenn man das geschafft hat, wäre es nicht ein Grund, seinem Partner zu verzeihen?
Um das hier deutlich zu sagen: Ich bin nicht dafür, in einer Gewaltbeziehung zu bleiben und die Allüren des Partners zu dulden, um sich spirituell zu fühlen. Ich habe in dieser Geschichte einen Ausrutscher angesprochen und nicht das Verhalten eines Menschen, der innerlich so verwundet ist, dass er erst einmal irdische Hilfe benötigt, bevor er sein Verhalten spirituell durchleuchten kann.
Wir alle, ja, auch IHR alle, liebe Brüder und Schwestern lebt bereits die Spiritualität im Alltag.
Vielleicht vergesst Ihr manchmal noch immer, wer Ihr wirklich seid. Aber es ist nicht wichtig, wie oft Ihr diese Information vergesst. Es ist wichtig, wie oft Ihr Euch daran erinnert.
Ihr seid alle - ausnahmslos - göttliche Wesen, die hier auf der Erde versuchen, Mensch zu sein. Ihr seid nicht Menschen, die versuchen, spirituell zu werden.
So, das ist, glaube ich, der Hauptunterschied zwischen mir und manch anderen Menschen. Mir ist irgendwann klar geworden, wer ich wirklich bin.
Manchmal vergesse ich es auch noch - am liebsten in Situationen, in denen ich Angst habe. Aber es fällt mir immer wieder irgendwann ein.
Ich trage das gleiche göttliche Erbe in mir wie Ihr auch - uns unterscheidet gar nichts.
Es ist nicht, dass ich “besser” bin als Ihr, oder “mehr” weiß als Ihr, oder dass der Vater mich “mehr” liebt als Euch oder so etwas. Ich bin mir bewusst, dass Gott nicht anders kann, als mich so lieben, wie ich bin und ich bin mir bewusst, dass ich nicht anders kann, als Gott lieben, so wie er ist.
Wie ist denn Gott?
Gott ist das Leben. Gott ist die Liebe. Gott ist das Licht. Gott ist das Herz und die Seele und der Sinn, er ist der schöpfende Gedanke, das erschaffende Wort und die Tat, die es umsetzt. Er ist der Vater und er ist im Sohn und er ist der heilige Geist.
Gott zu lieben, wie Gott ist bedeutet jeden Tag anzunehmen, wie er ist.
Ja, manchmal ist ein Tag hart. Na und?
Manchmal ist eine Zeit hart - aber wie hart es auch kommen mag, so findet sich immer ein Weg. Und selbst wenn man jahrelang vor innerem Schmerz weint und schreit, so endet es irgendwann und plötzlich sieht man die Sonne wieder.
Das ist das Umsetzen der Spiritualität im Alltag. Denkt an Gott im Alltag. Findet ihn in Euren “doofen” Kollegen, Eurem “miesepetrigen” Vorgesetzten, “fiesen” Nachbarskindern. Findet Gott in Euren Eltern, die Euch manchmal viel Leid angetan haben - so ihr könnt verzeiht ihnen, sie wußten nicht, was sie taten. Ihr wißt heute auch manchmal nicht, was ihr tut.
Findet Gott in Eurem Garten, einem Urlaub, dem “Ex”. Findet ihn, wenn Ihr in den Nachrichten von der nächsten Katastrophe hört, oder von großem Unrecht. Findet Gott dort, weil Gott - die Liebe - genau dort nötig ist.
Findet Gott auch an einem friedlichen Nachmittag beim Grillen, denkt an Gott, wenn Ihr schwimmen geht, steht morgens für Gott auf, steht auf und macht Euren Tag zum Gottesdienst. Euer Tag ist ein Tag im Dienst Gottes. Das gilt für jeden Tag.
Manchmal dient man Gott, in dem man lacht, wenn man eigentlich schimpfen wollte. Manchmal dient man Gott, in dem man Gnade vor Recht ergehen lässt. Manchmal gibt man einem Bettler ein Brötchen in die Hand und manchmal bleibt man streng, weil es eben sein muss. Aber was auch immer Ihr tut: Tut es für Gott. Das bedeutet: Denkt, sagt und handelt AUS LIEBE.
Das tue ich auch und so hat er sich mir dann gezeigt. Ja, das klingt jetzt wie die Worte kurz vor der Seeligsprechung. Ich bin auch ein Mensch, ich mache auch Sachen falsch oder bin aufbrausend und manchmal bin ich richtig bockig… aber ich liebe.
Der Rest ist simpel.
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In Liebe, Eure Anke